Segelrevier

Segeln im Dodekanes ab Kos: Winde, Ankerbuchten und Inselhüpfen nach Norden

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Ein ausführlicher Segelführer für den nördlichen Dodekanes, der die Route von Kos nordwärts durch Kalymnos, Leros und Lipsi bis zu den Buchten von Makronisi beschreibt – mit Tipps zum Segeln bei Meltemi, zur Wahl der Küstenseite und zu den besten Ankerbuchten unterwegs.

Segeln im Dodekanes ab Kos: Winde, Ankerbuchten und Inselhüpfen nach Norden

Der Dodekanes erstreckt sich entlang der östlichen Ägäis, dicht an der türkischen Küste, und zählt zu den lohnendsten und gleichzeitig unterschätztesten Segelrevieren Griechenlands. Wer vom lebhaften Hafen von Kos aus nordwärts aufbricht, taucht ein in eine Welt aus dramatischen Vulkanfelsen, byzantinischen Klöstern auf Hügelkuppen und einigen der klarsten Ankerbuchten im gesamten Mittelmeer. Hier ist man weit weg von den Kykladen. Weniger Betrieb, andere Winde, und das Gefühl echter Entdeckung – vor allem wenn man in einer einsamen Bucht ankert und Türkeis Berge nur wenige Seemeilen entfernt aus dem Wasser aufsteigen – das lässt einen noch lange nach der Rückkehr nicht los.]

Was den Dodekanes besonders macht

Während die Kykladen für ihre streng-weiße Würfelarchitektur, überfüllte Ankerbuchten und die rastlose Energie der Hochsaison bekannt sind, schlägt der Dodekanes einen ruhigeren Takt. Die Inseln liegen weiter auseinander, die Abstände zwischen ihnen sind größer, und das Segeln selbst hat mehr Substanz. Gedränge beim Ankern ist die Ausnahme, nicht die Regel – ebenso wie das Anstehen am Steg oder das Mitfahren auf der gleichen Route wie Dutzende anderer Charterboote.

Die Nähe zur Türkei prägt diesen Küstenstreifen entscheidend. Viele Ankerbuchten liegen in Sichtweite des türkischen Festlands, und die kulturelle Vielschichtigkeit der Inseln spiegelt diese Geschichte wider: Kreuzfahrerburgen, osmanische Brunnen, griechisch-orthodoxe Kirchen und Art-Déco-Architektur aus der Zeit der italienischen Verwaltung existieren hier auf demselben Hafengelände nebeneinander. Kos ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel: Eine mittelalterliche Burg blickt auf eine römische Agora herab, nur wenige Schritte von einem belebten türkischen Marktviertel entfernt.

Der nördliche Dodekanes – von Kos über Kalymnos, Leros, Lipsi bis zu den Buchten rund um Makronisi – bildet einen natürlichen Segelkreis, der sich in fünf bis sieben Tagen bequem abfahren lässt. Die Route ist flexibel genug, um je nach Windrichtung und Kondition angepasst zu werden: Ost- oder Westseite der Inseln – das richtet sich danach, ob der Meltemi stark bläst oder sich zurückhält.

Segelbedingungen und der Meltemi

Der vorherrschende Wind von Juni bis September ist der Meltemi, der trockene Nordwind, der mit unterschiedlicher Stärke über die Ägäis fegt. Im Dodekanes verhält er sich etwas anders als auf den Kykladen, wo er tagelang unerbittlich mit Stärke 5 bis 6 blasen und Überfahrten zum Ausdauertest machen kann. Im östlichen Ägäis ist der Meltemi in der Regel mäßiger, meist zwischen Stärke 3 und 4, kann aber in den Spitzenzeiten im Juli und August auf Stärke 5 und darüber auffrischen. Auch seine Richtung ist variabler, beeinflusst von den türkischen Bergen im Osten und der Topographie der Inseln selbst.

Das typische Meltemi-Muster: Der Wind setzt gegen Vormittag ein, baut sich über den Nachmittag auf und lässt bei Sonnenuntergang nach. Morgenüberfahrten sind oft spiegelglatt oder nur leicht bebrist – das sollte man bei der Planung einkalkulieren. In den Kanälen zwischen den Inseln neigt der Wind zur Beschleunigung, wo der Venturi-Effekt deutlich über die Umgebungswindstärke hinaus treiben kann. Überfahrten zwischen Kos und Kalymnos oder durch die Meerenge bei Leros verdienen daher besondere Aufmerksamkeit.

Die Wahl zwischen Ost- und Westküste ist das zentrale Element bei der Routenplanung im Dodekanes. Bei Meltemi ab Stärke 4 bieten die Ostküsten – mit Blick zur Türkei – Schutz und ruhigere Bedingungen; Ankerbuchten hinter Landspitzen geben brauchbaren Windschatten. Die Westküsten sind dem Nordwind ausgesetzt und können bei stärkerem Wind sehr ungemütlich werden. Bei leichteren Verhältnissen oder Südwind (im Sommer seltener, aber nicht unbekannt) erschließen sich die Westseiten mit ihrer teils eindrucksvolleren Landschaft und weniger Booten vor Anker.

Für wen diese Route geeignet ist

Die Route ist für kompetente Einsteiger mit einem einfachen Küstenskipperausweis machbar, wird aber von jenen am meisten genossen, die bereits Ägäis-Erfahrung mitbringen. Die Etappen von meist fünfzehn bis fünfundzwanzig Seemeilen sind nicht abschreckend lang, aber der Nachmittags-Meltemi in den Kanälen verlangt sicheres Segelhandwerk. Bareboat-Charterer auf ihrer zweiten oder dritten Ägäis-Tour finden diese Route anspruchsvoller als den geschützten Saronischen Golf – aber gut in Reichweite.

Erfahrenen Seglern eröffnet das Revier tiefere Entdeckungen. Die wenig besuchten Ankerbuchten an den Ostküsten, die Überfahrt des Kanals zwischen Kalymnos und Leros im Morgengrauen auf flachem Wasser, die außergewöhnliche Abgeschiedenheit mancher Buchten auf Lipsi – all das macht dieses Gebiet zu einem, das Wiederbesuche belohnt. Wer Ankern dem Marineleben vorzieht, ist hier genau richtig: Die meisten Nächte lassen sich auf dem Haken verbringen, Marinestopps bleiben dem Bunkerieren und einem richtigen Abend an Land vorbehalten.

Vorgeschlagener 7-Tage-Törnplan: Kos nach Makronisi und zurück

Dieser Törnplan führt von Kos aus nordwärts, nutzt den Meltemi auf dem Hinweg und kehrt entweder auf derselben Küstenseite oder – je nach Bedingungen – auf der anderen Seite nach Süden zurück. Die Gesamtdistanz ist überschaubar – rund neunzig bis hundert Seemeilen je Richtung – und für eine gemischte Crew ohne Überforderung machbar.

Tag 1: Kos-Stadt nach Mastihari oder Kamari Bay

Der Ausgangshafen ist die Marina von Kos, gut ausgestattet mit Wasser, Kraftstoff und einem Vollsortiment-Supermarkt in Gehweite der Stege. Vor dem Ablegen lohnt ein Morgenspaziergang entlang der Uferpromenade und ein Besuch beim Platanenveteran, unter dem Hippokrates gelehrt haben soll – eine schöne Einstimmung auf eine Insel, die seit sehr langer Zeit Gäste empfängt. Die Formalitäten für Charterboote erledigt man unkompliziert beim Hafenamt nahe dem Marinaeingang.

Die erste Etappe ist bewusst kurz gehalten, damit Crew und Rigg in Ruhe warmfahren können. Mastihari an der Nordwestküste von Kos liegt rund zehn Seemeilen vom Hafen entfernt und hat einen kleinen Hafen mit einigen Heckbojen – oder man ankert besser in gutem Windschatten bei stabilen Nordwindbedingungen. Kamari Bay an der Südwestspitze ist eine weitere Option: eine ruhige Bucht unterhalb der antiken Ruinen von Agios Stefanos und dem Inselchen Kastri. Die Bucht ist breit und sandig, der Ankergrund gut bei drei bis fünf Metern über Sand, und auf dem Strand bewirtet eine Taverne schon seit Jahrzehnten ankommende Segler mit Grillfish und eiskaltem Mythos. Baden vor dem Abendessen. Darum geht es.

Tag 2: Mastihari nach Vathy, Kalymnos

Die Überfahrt von Kos nach Kalymnos ist eine der Paradepassagen dieser Route – rund zwölf Seemeilen durch die Kos-Straße, mit dem Meltemi, der meist schon am Vormittag anzieht. Früh losfahren, um die Morgenstille zu nutzen, oder die Nachmittagsbrise genießen, wenn die Crew mit einer strafferen Kreuz klarkommt. Im Kanal kann der Wind auf Stärke 5 auffrischen – also lieber früh reffen als zu spät.

Kalymnos ist die Schwammtaucherinsel, und die Kultur hier ist einzigartig in Griechenland. Über ein Jahrhundert lang war die Insel das Zentrum des mediteranen Schwammtauchens, und diese Tradition prägt die Identität des Ortes noch heute, auch wenn das Gewerbe zurückgegangen ist. Die schönste Ankerstelle auf Kalymnos ist Vathy, ein langer, fjordartiger Einschnitt an der Ostküste, der tief in die Kalksteinfelsen hineinführt. Die Einfahrt ist dramatisch: Der Eingang scheint fast geschlossen zu sein, bis man davor liegt – dann öffnet er sich zu einem stillen Kanal, stellenweise nicht breiter als zweihundert Meter. Am Fjordkopf ankern in fünf bis acht Metern über Schlick und Sand mit ausgezeichnetem Halt. Am Ende liegt ein kleines Dorf mit ein paar Tavernen und einer Bäckerei. Die Stille hier ist bemerkenswert. Nachts, mit den Bergen zu beiden Seiten und dem Sternenzelt darüber, fühlt sich Vathy vollkommen weltabgeschieden an.

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