Heck-Anlegen: Der komplette Med-Mooring-Leitfaden
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Wie man mit dem Heck auf dem eigenen Anker oder einer Lazy Line anlegt, jede Windrichtung meistert und sauber wieder ablegt. Mit einem 10-Fragen-Quiz zum Selbsttest.
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Wer im Sommer einen mediterranen Hafen beobachtet, sieht immer dasselbe Schauspiel: Ein Charterboot geht rückwärts auf den Steg zu, die Kette rasselt über den Bug, und die Nachbarliegeplätze tun so, als würden sie nichts bemerken. Das Heck-Anlegen, oft auch Med-Mooring genannt, ist die Standardmethode zum Anlegen im Mittelmeer und eine Technik für sich. Selbst sehr erfahrene Segler aus Gezeitengewässern erleben ihren ersten Heckliegeplatz oft als überraschend ernüchternd. Dieser Leitfaden erklärt die Technik Schritt für Schritt: den klassischen Ankerfall, Lazy-Line-Häfen, alle Windrichtungen und wie man wieder ablegt, ohne die Ankerkette des Nachbarn mitzunehmen.
Warum man im Mittelmeer mit dem Heck anlegt
Das Heck-Anlegen auf der eigenen Ankerkette ist die klassische Methode in tidenlosen Gewässern. Ohne nennenswerten Tidenhub kann das Boot den ganzen Tag mit dem Heck dicht an einem festen Steg liegen, ohne dass Höhenunterschiede zum Problem werden. In Tidengewässern funktioniert das schlicht nicht, was genau der Grund ist, warum so viele erfahrene Skipper diese Technik nie lernen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit dem Heck zum Steg passen deutlich mehr Boote in einen Hafen, man geht über die Passerelle an Land, und der Bug zeigt in den Hafen hinaus, was mehr Privatsphäre bietet.

Vorbereitung vor dem Manöver
Die meisten Missgeschicke beim Heck-Anlegen sind bereits entschieden, bevor das Boot überhaupt rückwärts fährt. Ein paar Gewohnheiten machen den Unterschied:
Erst einen Testlauf machen. Den Liegeplatz einmal abfahren und genau prüfen: Breite, Tiefe, Nachbarketten und Lazy Lines.
Alles in Ruhe vorbereiten. Das Boot vor dem Liegeplatz stoppen und alles ruhig herrichten: Heckleinen, Fender auf beiden Seiten und ein paar zusätzliche Heckfender als Reserve (Kapitel eins jedes Charter-Briefings, und trotzdem oft übersprungen).
Die Ankerkette kennen. Einen Kettenvorlauf von mindestens dem Fünffachen der Wassertiefe einplanen, und prüfen, ob die Kette Längenmarkierungen hat. Bei den meisten Charterbooten ist der Farbcode (welche Farbe bei welcher Länge) an der Innenseite des Kettenkasten-Deckels aufgeschrieben. Auf dem eigenen Boot lohnt es sich, selbst Markierungen anzubringen, zum Beispiel Kabelbinder alle 10 Meter (einer bei 10 m, zwei bei 20 m usw.), damit man beim Ausgeben leicht mitzählen kann.
Den Propellerzug berücksichtigen. Im Rückwärtsgang drückt der Propeller das Heck zur Seite. Es ist wichtig zu wissen, in welche Richtung das Boot dreht, bevor man es wissen muss.
Der klassische Ankerfall bei Windstille
Bei ruhigen Bedingungen ist das Manöver reine Geometrie. Das Boot senkrecht zum Steg, auf Höhe des eigenen Liegeplatzes, ausrichten und in einem Abstand stoppen, der der auszubringenden Kettenlänge entspricht. Den Anker fallen lassen und gerade rückwärts fahren, dabei kontinuierlich Kette ausgeben, bis das Heck eine Passerellenlänge vom Steg entfernt ist. Heckleinen belegen, Kette spannen, fertig.

Wenn das Boot auf halber Strecke die Kontrolle verliert (das passiert jedem bei einer Windböe von der Seite), muss man die Kette nicht einholen und von vorne anfangen. Einfach aufhören, Kette auszugeben, das Boot in Position drehen, dann wieder rückwärts fahren und dabei weiter Kette ausgeben.

Tipps für saubere Ankerarbeit
Einige Meter Kette schon im Voraus ablassen, damit der Anker kurz über dem Meeresboden hängt, bevor der eigentliche Ankerfall-Befehl kommt.
Der Ankermann gibt Kette nur dann weiter aus, solange die Kette in einem Winkel wegführt. Hängt sie senkrecht nach unten, kurz stoppen: Dann häuft sich die Kette auf dem Meeresgrund, statt flach auszulegen.
Nach 20 bis 30 Metern Kette kann man den Halt testen, oder das erst nach dem Anlegen tun.
Sobald der Ankerstopper belegt ist, die Kette locker auf der Winsch lassen. Den Zug übernimmt der Ankerstopper, nicht das Getriebe der Winsch.
Keine Winsch vorhanden? Die Kette durch eine Leine führen, die an einer Klampe befestigt ist. Das Ausgeben lässt sich jederzeit durch Ziehen der Leine stoppen.
Lazy-Line-Häfen
In den meisten Mittelmeerhäfen braucht man gar keinen eigenen Anker. Eine Lazy Line (eine leichte Leine, die am Steg befestigt ist und zu einer schweren Mooringkette am Meeresboden führt) ersetzt das eigene Groundtackle. Die Reihenfolge ist entscheidend:
Rückwärts in den Liegeplatz einfahren.
Heckleinen belegen.
Sanft vorwärts einlegen.
Die Lazy Line zum Bug führen und gespannt belegen.
Zwei Tipps schonen Hände und Gelcoat. Erstens: Segelhandschuhe an Bord haben. Lazy Lines setzen Muscheln und Seepocken an, die bloße Hände aufschneiden können. Zweitens: Die Heckleinen locker lassen, bis die Lazy Line am Bug befestigt ist, dann kurz rückwärts einlegen und die Heckleinen nachspannen. Eine Lazy Line von Hand gegen fest belegte Heckleinen zu ziehen ist ein Kampf, den man verliert.
Bei Querwind und einem bereits liegenden Boot auf der Leeseite gilt: kein falscher Stolz. Es ist immer einfacher, mit den Fendern sanft gegen das Leeboot zu lehnen, bis der eigene Liegeplatz gesichert ist.

Den Wind lesen
Auflandiger Wind (weht gegen den Steg)
Die schwierigste Variante. Ein senkrechter Ansteuerungskurs erfordert Fahrt für ausreichende Steuerfähigkeit, genau das, was man in der Nähe eines steinernen Stegs eigentlich nicht möchte. Der beste Trick: stattdessen parallel zum Steg ansteuern, mit dem Anker bereits auf etwa 2 Meter über dem Meeresgrund abgelassen. Stoppen, sobald der Bug auf der Mitte des eigenen Liegeplatzes steht, den Anker mit etwa 20 Metern Kette zügig fallen lassen und kurz abwarten. Das Boot dreht sich, bis es mit dem Wind ausgerichtet ist. Dann weiter Kette ausgeben und rückwärts in den Liegeplatz fahren. Kontrolle verloren? Boot drehen und von vorn.

Ablandiger Wind (weht vom Steg weg)
Die einfachste Variante. Der Wind hält das Boot beim Rückwärtsfahren gerade aus; die einzige Herausforderung ist der Propellerzug. Das Ruder beim Rückwärtsfahren entsprechend gegensteuern und beim Abbremsen nochmals korrigieren.
Querwind
Der Querwind treibt das Boot auf den Leelieger, deshalb nicht auf die Mittellinie des Liegeplatzes ansteuern. Das Boot stattdessen auf der Luvseite positionieren. Der Bugmann gibt den seitlichen Abstand in Windtermen an: „2 Meter über“ bedeutet 2 Meter luvseitig der Liegeplatzkante, „1 Meter darunter“ bedeutet leeseitig. Ein paar Meter über dem Liegeplatz anhalten, das Ruder in den Wind legen, etwas Kette ausgeben und warten, bis das Boot langsam seitwärts treibt. Den Anker 1 bis 2 Meter über der Liegeplatzkante fallen lassen und rückwärts einfahren, während der Wind das Boot auf die Linie treibt. Gewinnt eine Böe die Oberhand, Boot drehen und erneut versuchen. Mit einem L-Antrieb und Wind von Steuerbord schon rückwärts einfahren, bevor das Boot vollständig senkrecht zum Steg steht.
Wieder ablegen
Bei ruhigem Wetter ist das Ablegen das Manöver in umgekehrter Reihenfolge: Heckleinen losmachen, sachte vom Steg vorwärts motoren, dabei die Lazy Line loswerfen oder den Anker aufholen und die Ankerkette der Nachbarn umfahren. Zwei Gewohnheiten machen es runder. Den Propeller im Blick behalten: Nach dem Loslassen der Lazy Line sicherstellen, dass sie frei vom Propeller ist, bevor die Maschine eingelegt wird. Und der Winsch beim Aufholen Strom gönnen: Den Motor im Leerlauf auf etwa 1200 U/min laufen lassen, damit die Lichtmaschine die Winsch beim Einholen der Kette versorgt.
Bei Querwind ist Vorsicht geboten, denn der Wind kann das Boot auf die Ankerkette des Leeliegers treiben. Das Risiko lässt sich mit einer langen luvwärtigen Heck-Springleine verringern. Vorwärtsgang einlegen und das Ruder zur Luvseite drehen, dann die Heckleine durch die Klampe gleiten lassen, während der Bugmann die Kette einholt. Sobald das Heck auf der Querachse des Leeboots liegt, ist man bereit zum Losgehen. Dann auf ein ruhigeres Windfenster warten und ablegen, dabei den Bug auf der Mitte des ehemaligen Liegeplatzes halten, bis der Rest der Kette eingeholt ist.

Wissen testen
Zehn zufällige Fragen aus unserem Heck-Anlegen-Pool: Vorbereitung, Ankerarbeit, Lazy Lines, Windtechnik und Ablegen. Vor dem nächsten Charter überprüfen, wie viel davon wirklich hängen geblieben ist.
Quiz
Ganzes Quiz öffnenHeckanlegen: Bist du bereit zum Mittelmeer-Anlegen?
Heckanlegen am eigenen Anker oder an einer Leinenhilfe, bei jeder Windrichtung, und wieder Ablegen. Pro Durchlauf werden 10 Fragen zufällig ausgewählt.
Bevor du startest
Dieses Quiz dient nur zum Spaß und zum Selbstlernen. Die Antworten können Fehler enthalten und es ist keine professionelle Prüfung, kein Examen und keine Zertifizierung. Wenn du dich beim Segeln unsicher fühlst, hol dir bitte fachkundige Anleitung von einer qualifizierten Lehrkraft oder einem Skipper — auf See zählt echte Erfahrung mehr als jedes Quizergebnis.
Übung schlägt Theorie: Ein ruhiger Morgen, ein leerer Stegabschnitt und eine geduldige Crew, und das ganze Manöver zweimal üben. Beim dritten Hafen des Charters schaut die Menge am Steg jemand anderem zu.
Häufig gestellte Fragen
Warum legen Boote in Mittelmeerhäfen mit dem Heck zum Steg an statt längsseits?
Das Mittelmeer-Anlegen, auch als Heck-Anlegen bezeichnet, ist die übliche Anlegemethode im Mittelmeer, da es dort keine nennenswerten Gezeiten gibt. Da der Wasserstand nicht schwankt, kann ein Boot den ganzen Tag mit dem Heck dicht an einem festen Kai liegen, ohne dass der Abstand zum Problem wird. Außerdem lassen sich Boote beim Heck-Anlegen viel enger nebeneinander platzieren als beim Längsseits-Anlegen, der Bug zeigt nach außen und schützt so die Privatsphäre der Crew, die über einen Laufsteg (Passerelle) vom Heck an Land geht.
Was ist eine Lazy Line in einem Mittelmeerhafen und wie benutzt man sie?
Eine Lazy Line ist eine leichte Leine, die am Steg befestigt ist und unter Wasser zu einer schweren Mooringkette auf dem Meeresgrund führt – sie ersetzt damit das eigene Ankern. Um sie zu verwenden, fährt man rückwärts in den Liegeplatz, befestigt die Heckleinen locker, legt kurz einen Vorwärtsgang ein, holt dann die Lazy Line zum Bug und belegt sie unter Spannung, bevor man die Heckleinen festzieht. Das Tragen von Segelhandschuhen wird dringend empfohlen, da Lazy Lines oft mit Seepocken und Muscheln besetzt sind, die bloße Hände aufschneiden können.
Wie legt man bei auflandigem Wind achtern zur Mole an?
Bei auflandigem Wind ist ein gerader, senkrechter Ansteuerungsweg gefährlich, da man Fahrt für die Steuerbarkeit beibehalten muss – in der Nähe einer Steinmole ein erhebliches Risiko. Eine sicherere Methode: parallel zum Steg anfahren mit bereits fast auf Grund gelassenem Anker, stoppen wenn der Bug auf Höhe der Mitte des Liegeplatzes ist, etwa 20 Meter Kette ausgeben und warten, bis das Boot vor dem Wind abdreht, dann rückwärts in den Liegeplatz einfahren. Falls man die Kontrolle verliert, kann man das Boot jederzeit wieder in die richtige Position drehen, ohne den Anker einholen zu müssen.
Wie viel Ankerkette brauche ich beim Heck-Anlegen und wie messe ich die ausgelegte Länge?
Für das Heck-Anlegen wird ein Kettenvorstecker von mindestens dem 5-fachen der Wassertiefe empfohlen. Um den Überblick zu behalten, wie viel Kette du ausgegeben hast, schau auf der Innenseite der Kettenkasten-Luke nach – bei einem Charterboot ist der Farbcode meist dort vermerkt. Auf deinem eigenen Boot kannst du alle 10 Meter farbige Kabelbinder als einfache Längenmarkierungen anbringen.
Wie legt man sicher von einem Heck-zur-Pier-Liegeplatz ab, wenn der Wind quer durch den Hafen bläst?
Beim Ablegen mit Querwind besteht die Hauptgefahr darin, auf die Ankerkette des leeseitigen Boots zu treiben. Um dies zu vermeiden, legt eine lange luvseitige Heckleischleine aus, gebt Gas voraus mit dem Ruder nach Luv gedreht und lasst die Schleine langsam los, während die Bugcrew die Ankerkette einholt. Sobald das Heck achteraus des leeseitigen Boots liegt, wartet auf eine Windstille, bevor ihr ablegt – haltet dabei den Bug auf die Mitte eures alten Liegeplatzes gerichtet, während die restliche Kette aufgeholt wird.
Was ist Propellernachzug und warum ist er beim Heck-an-Anlegen wichtig?
Der Propellernachzug (Prop Kick) bezeichnet die Tendenz des Propellers, das Heck beim Rückwärtsfahren seitwärts zu drücken. Zu wissen, in welche Richtung Ihr Propeller zieht, ist beim Heck-an-Anlegen wichtig, da dies bestimmt, ob das Heck beim Einfahren in den Liegeplatz nach links oder rechts abdriftet. Sie können dies ausgleichen, indem Sie beim Rückwärtsfahren das Ruder gegenlenken und die Korrektur anpassen, wenn das Boot langsamer wird.








